Fachvortrag im Hohberghaus zum Tag der seelischen Gesundheit

Michael Böser bei seinem Vortrag über die Aufgaben des Selbsthilfebüro der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe.

15. Oktober 2026

Wie Selbsthilfe junge Menschen stärken kann

Der Badische Landesverein (BLV) lud am Montag, den 12. Oktober 2026, zu einem Fachvortrag mit anschließendem Austausch ins Hohberghaus Bretten ein. Unter dem Titel „Junge Selbsthilfe bei Depression, psychischen Erkrankungen und Einsamkeit“ erläuterte Referent Michael Böser vom Selbsthilfebüro der Paritätische Sozialdienste Karlsruhe, wie Selbsthilfegruppen Betroffene unterstützen und jungen Menschen neue Perspektiven eröffnen können.

Selbsthilfe als Unterstützung für junge Menschen

Christoph Röckinger, Einrichtungsleitung des Hohberghauses, betonte in seiner Begrüßung: „Als Einrichtung für Kinder und Jugendliche, die darüber hinaus auch verschiedene Angebote für junge Erwachsene anbietet, ist es uns ein besonderes Anliegen, die Themen der Tage der seelischen Gesundheit immer auch in Bezug zu jungen Menschen zu setzen. Angesichts zunehmender psychischer Belastungen und schwieriger Zugänge zu fachärztlicher und therapeutischer Unterstützung gewinnen Selbsthilfeangebote zunehmend an Bedeutung.“

Christoph Röckinger bei seiner Begrüßungsrede.

Christoph Röckinger bei seiner Begrüßung.

Gemeinsam statt allein

Selbsthilfegruppen bringen Menschen zusammen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und sich über ihre Herausforderungen austauschen möchten. Die Themen reichen von körperlichen Erkrankungen und Behinderungen über psychische Belastungen bis hin zu familiären Schwierigkeiten und besonderen Lebenssituationen. Dabei geht es nicht immer um eine bestimmte Diagnose, sondern häufig um gemeinsame Erfahrungen und Lebenssituationen. In seinem Vortrag beschrieb Michael Böser diese als „gemeinsame Schicksale, die aber kein Krankheitsbild abbilden“.

Die Gruppen organisieren sich selbst, arbeiten nicht kommerziell und begegnen sich auf Augenhöhe. Der vertrauliche Austausch ermöglicht es den Teilnehmenden, Verständnis und Unterstützung zu erfahren und sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Situationen kennen. Die Teilnahme ist unverbindlich: Interessierte können zunächst an einem Gruppentreffen teilnehmen und anschließend selbst entscheiden, ob das Angebot zu ihnen passt.

Michael Böser betonte zugleich, dass Selbsthilfegruppen keine Psychotherapie ersetzen. Sie können eine wertvolle Ergänzung zu einer Therapie oder eine Unterstützung im Anschluss daran sein, sollten jedoch nicht als Ersatz für professionelle Behandlungen verstanden werden. Ihr besonderer Wert liegt darin, Menschen miteinander zu verbinden und ihnen das Gefühl zu geben, mit ihren Problemen nicht allein zu sein.

Michael Böser bei seinem Vortrag über die Aufgaben des Selbsthilfebüro der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe.

Michael Böser informiert über die Aufgaben des Selbsthilfebüro der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe.

Junge Menschen unter besonderem Druck

Depressionen, Angststörungen und Essstörungen können bereits bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auftreten. Als mögliche Belastungsfaktoren nannte Böser neben einer verbesserten Diagnostik auch gesellschaftliche Entwicklungen: Durch die Digitalisierung erreichen junge Menschen Nachrichten über Kriege, Katastrophen und Krisen oft unmittelbar und in großer Menge. Mobbing setzt sich zudem zunehmend in sozialen Medien fort. Auch die Folge der Corona-Pandemie, die Klimakrise und Zukunftsängste beschäftigen viele junge Menschen.

„Alles ist sehr viel unmittelbarer geworden und dadurch bedrohlicher“, erklärte Böser. Umso wichtiger seien Räume, in denen junge Menschen ihre Sorgen teilen und sich gegenseitig unterstützen können. Selbsthilfegruppen richten sich häufig an Menschen zwischen 18 und 35 Jahren. Grundsätzlich können auch jüngere Menschen teilnehmen. Je nach Alter und Rahmenbedingen kann dafür die Zustimmung der Erziehungsberechtigten erforderlich sein.

Damit Selbsthilfe junge Menschen erreicht, muss sie zu deren Lebenswelt passen. „Selbsthilfe kann viele Gesichter haben und jedes ist wichtig angeschaut zu werden“, so Böser. Neben klassischen Gesprächsrunden können beispielsweise Filmabende, Lesungen, Podiumsdiskussionen oder gemeinsame sportliche Aktivitäten den Austausch ermöglichen.

Gruppenfoto von Christoph Röckinger (Einrichtungsleitung Hohberghaus), Michael Böser (Referent vom Selbsthilfebüro der Paritätische Sozialdienste Karlsruhe), Jessica Seitz (stellv. Einrichtungsleitung) und Andreas Gerlach (Leitung Assistenz für Wohn- und Sozialraum (AWS))

V.l.n.r.: Christoph Röckinger (Einrichtungsleitung Hohberghaus), Michael Böser (Referent vom Selbsthilfebüro der Paritätische Sozialdienste Karlsruhe), Jessica Seitz (stellv. Einrichtungsleitung) und Andreas Gerlach (Leitung Assistenz für Wohn- und Sozialraum (AWS)).

Das Selbsthilfebüro der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe

Das Selbsthilfebüro der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe ist die zentrale Informations-, Beratungs- und Unterstützungsstelle für Selbsthilfe im Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Es informiert über bestehende Angebote, vermittelt Interessierte in passende Gruppen und unterstützt bei Bedarf auch bei der Gründung neuer Gruppen. Aktuell sind über das Selbsthilfebüro Karlsruhe 168 Selbsthilfegruppen verzeichnet.

Der Tag der seelischen Gesundheit im Hohberghaus

Das Hohberghaus Bretten des Badischen Landesvereins beteiligt sich bereits seit vielen Jahren mit Vorträgen regelmäßig an der Veranstaltungsreihe zum Welttag der seelischen Gesundheit, der – 1992 von der World Federation for Mental Health (WFMH) ins Leben gerufen – jährlich am 10. Oktober stattfindet. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt“.

 

Über die Einrichtung

Außenansicht des Hohberghauses in Bretten.

Hohberghaus

Pforzheimer Straße 113, 75015 Bretten

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Ihre Ansprechpersonen

Christoph Röckinger

Einrichtungsleitung Hohberghaus

Andreas Gerlach

Leitung Assistenz im Wohn- und Sozialraum (AWS)